Facebook und der aktuelle "Datenskandal"

Die öffentlichen Debatten um den jüngsten „Datenskandal-Facebook“ irritieren doch sehr, denn stehen im Fokus dieser Auseinandersetzung, vorwiegend die Rolle von Facebook und Cambridge Analytica.

Ohne Frage, das Vorgehen und geschäftliche Konzept von Facebook darf und muss kritisiert werden. Völlig richtig merkt der ehemalige Datenschutzbeauftragte Peter Schaar kürzlich in einem Interview auf Deutschlandfunk an, dass es den vermeintlichen Missbrauch der Daten (wie im aktuellen Fall) ohne das „Geschäftsmodell“ Facebook in diesem Ausmaß wahrscheinlich nicht gegeben hätte.

Der Ruf nach einem härteren Vorgehen „gegen“ Facebook wird laut. Politiker*innen aller Parteien scheinen einig, Bestrebungen zur Verbesserung des Datenschutzes müssen her und solche sind ja irgendwie immer unterstützenswert.

 

Hierbei sei angemerkt, es gibt Konzepte, die einen Schritt weiter gehen und Plattformen wie Facebook & Co. über ein Modell der Gebührenfinanzierung, ähnlich den Rundfunkgebühren,  das Datenmonopol, welches einer klaren Verwertungsdynamik im System folgt, entziehen wollen. Diese Ideen sind sehr interessant, spielen in der öffentlichen Debatte jedoch kaum eine Rolle. Wer sich mit der Thematik intensiver auseinandersetzen möchte, dem*der darf „Das Netz in unsere Hand! – Vom digitalen Kapitalismus zur Datendemokratie“ von Thomas Wagner empfohlen werden, um nur eines der vielen Werke zum Thema zu nennen.

 

Aber zurück zum aktuellen Fall „Datenskandal – Facebook – Trump-Wahlkamp“, folgt man den Aussagen in den Kommentarspalten vieler Onlineartikel, wünschen sich viele „Bürger*innen“ nun die „starke Hand“ des Staates, der eingreift und die Daten besser schützt, damit sich ein ähnlicher Fall nicht wiederholen kann.

Was jedoch sehr selten in den Artikeln und Kommentaren thematisiert wird, ist die Rolle des*der User*in, welche für die Nutzung der Anwendung  „thisisyourdigitallife“, Cambridge Analytica erlaubte auf die Profildaten zuzugreifen. Es waren eben auch die Nutzer*innen, die für einen vermeintlich wissenschaftlichen Zweck den Nutzungsbedingungen einer Quiz-Anwendung zustimmten und somit ihre Daten an Dritte weitergaben.

Für mich ist dies eine Ebene, die aktuell eine zu unbedeutende Rolle in der Debatte spielt.

Mein Anspruch in der Bildungsarbeit ist es, Menschen dabei zu unterstützen, „mündige“ Nutzer*innen im Datenkapitalismus zu werden, so weit, wie es die Verhältnisse im Moment zulassen. Der Ruf nach einem starken Staat ist meist eine Medaille mit zwei trüben Seiten. Zum einen wird Politik aufgefordert, die Interessen der „Bürger*innen“ angemessen zu vertreten, dies bedeutet aber auch, dass ich womöglich dem staatlichen Souverän mehr Rechte beim Umgang mit den Daten einräume – Stichwörter hierbei, „Zensur“ & „Überwachung“.

 

Auf der anderen Seite gebe ich als Person einen Teil meiner eigenen Souveränität auf und ab, in den Verantwortungsbereich des Staates und hier liegt für mich ein weiteres großes Problem. Wollen wir noch retten, was zu retten ist und den digitalen Raum inkl. der Verwendung unserer Daten mitbestimmen, braucht es auch eigenverantwortliches und reflektiertes Handeln der Nutzer*innen.

 

Um es kurz und knapp für den Bereich „Daten & Souveränität“ zu formulieren, es braucht...

 

 

...Bildung, welche Menschen dafür sensibilisiert, dass sie in einer digitalisierten Welt nicht aufhören dürfen, Ihre Daten zu schützen - auch wenn sie Plattformen nutzen, sie ihre Daten nicht einfach für ein Unterhaltungserlebnis „Quiz“ aus der Hand geben.

 

...Bildung, die aufzeigt, dass es Alternativen zum „digitalen Kapitalismus“ gibt.

 

...Bildung, die zeigt, dass „digitale Medien“ als Werkzeuge für mehr gesellschaftliche Teilhabe begriffen werden müssen.

 

...Bildung, die darauf aufmerksam macht, dass vermeintlich „kund*innen- & nutzer*innenorientierte“ Konzepte wie „Crowdsourcing“ und „Open-Innovation-Kampagnen“ nur der Kosteneinsparung diverser Unternehmen dient (Marktfoschung).

 

...Bildung, die Nutzer*innen vermittelt, dass die tägliche „Produktion“ von Daten eine unbezahlte Lohnarbeit darstellt.

 

Und eben nicht nur die „starke“ staatliche Hand, die schon irgendwie alles regelt. 

Die Verantwortung liegt natürlich nicht nur beim Individuum selbst, doch wenn weder Plattformen noch der Staat den „digitalen Raum“ gestalten und „verwerten“ sollen, sollte die Souveränität der Nutzer*innen ebenfalls im Vordergrund stehen, auch in der aktuellen Debatte!

 

Quellen:

 

http://www.deutschlandfunk.de/datenschutz-experte-neues-eu-recht-haette-facebook-skandal.2850.de.html?drn:news_id=864911

 

http://www.finanztreff.de/news/datenschuetzer-schaar-zu-datenskandal-facebook-ist-mitverantwortlich/12895395

 

 

Netz in unsere Hand! – Vom digitalen Kapitalismus zur Datendemokratie

 

http://www.bbc.com/news/uk-43480978

 

 

https://www.abendblatt.de/wirtschaft/article213795795/Facebook-Skandal-So-klaute-Cambridge-Analytica-die-Daten.html